Marktdaten · Stand 2026 DAX 18.940 ▲ EUR/USD 1,09 Tagesgeld 3,15 % Bauzins 10J 3,68 % Gold/oz 2.380 € Inflation 2,2 % ▼
umsgeld
Vermögen

Lombardkredit 2026: Depot beleihen statt verkaufen

uumsgeld Redaktion Aktualisiert am 11. Juli 2026 ca. 3 Min.
Das Wichtigste in Kürze

Ein Lombardkredit ist ein Darlehen, für das du dein Wertpapierdepot als Sicherheit verpfändest. Die Bank gewährt dir abhängig von der Beleihungsquote (bei breit gestreuten Aktien-ETFs oft rund 50 %) einen Kreditrahmen, ohne dass du Wertpapiere verkaufen musst. So bleibst du investiert und löst keine Steuern auf Kursgewinne aus. Der große Nachteil ist das Nachschussrisiko: Sinkt der Depotwert, sinkt der Beleihungswert; unterschreitet er den genutzten Kredit, fordert die Bank Nachschuss oder verkauft Wertpapiere. Sinnvoll ist ein Lombardkredit nur für vermögende, erfahrene Anleger mit großem Puffer, kurzfristigem Zweck und einem Zins deutlich unter der erwarteten Depotrendite.

Wer ein größeres Depot besitzt, steht irgendwann vor der Frage: verkaufen, um an Geld zu kommen — oder investiert bleiben? Der Lombardkredit verspricht beides. Er ist elegant, aber nicht ungefährlich.

Beleihen statt verkaufen

Beim Lombardkredit verpfändest du dein Depot als Sicherheit und bekommst dafür einen Kreditrahmen — ohne eine einzige Aktie zu verkaufen. Der Vorteil: Du bleibst investiert, verpasst keine Erholung und löst keine Steuern auf Kursgewinne aus. Wie hoch dein Rahmen ist, zeigt der Lombardkredit-Rechner.

Die Beleihungsquote

Nicht der volle Depotwert ist beleihbar, sondern nur ein Teil — die Beleihungsquote. Für breit gestreute Aktien-ETFs sind das oft rund 50 %, für Anleihen mehr, für einzelne Aktien weniger. Bei 250.000 € Depot und 50 % Quote stehen also 125.000 € als Rahmen bereit.

Das große Risiko: der Nachschuss

Hier liegt der Haken. Fällt der Markt, sinkt der Beleihungswert. Rutscht er unter den genutzten Kredit, kommt der Margin Call: nachschießen oder die Bank verkauft — meist im Tief. Deshalb gilt: Nie den Rahmen ausreizen. Wer nur einen Bruchteil nutzt, hat einen großen Kursverlust-Puffer; wer voll ausschöpft, hat keinen.

Wann sich der Lombard lohnt

Ein Lombardkredit ist ein Werkzeug für vermögende, erfahrene Anleger mit klarem, kurzfristigem Zweck — eine Zwischenfinanzierung, eine Gelegenheit. Drei Bedingungen sollten erfüllt sein: großer Puffer, kurzer Zeithorizont, und ein Zins deutlich unter der erwarteten Depotrendite. Für laufende Ausgaben oder als Dauerlösung ist er die falsche Wahl — dann sind Entnahmen oder eine klassische Finanzierung sinnvoller.

In Kürze

  • Lombard = Depot beleihen, ohne zu verkaufen (keine Steuer, investiert bleiben).
  • Beleihungsquote ~50 % bei Aktien-ETFs — nur dieser Teil ist Rahmen.
  • Größtes Risiko: Nachschuss bei fallenden Kursen — nie ausreizen.
  • Rahmen und Puffer im Lombardkredit-Rechner prüfen.
Unsere Einschätzung

Ein Lombardkredit ist ein Werkzeug für vermögende, erfahrene Anleger — kein Alltagskredit. Der Reiz: Liquidität, ohne zu verkaufen, also ohne Steuern auf Kursgewinne auszulösen und ohne aus dem Markt zu gehen. Der Preis ist das Risiko: Fallen die Kurse, kann die Bank Nachschuss verlangen oder zwangsverkaufen — oft im schlechtesten Moment. Nutze ihn nur mit großem Puffer, für einen klaren, kurzfristigen Zweck, und nur wenn der Zins klar unter deiner erwarteten Rendite liegt.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Lombardkredit?+

Du verpfändest dein Depot als Sicherheit und erhältst dafür einen Kreditrahmen in Höhe eines Teils des Depotwerts (Beleihungsquote). Du zahlst nur Zinsen auf den genutzten Betrag und kannst flexibel zurückzahlen. Verkauft wird nichts — die Wertpapiere bleiben in deinem Depot.

Wie hoch ist die Beleihungsquote?+

Sie hängt von der Anlageklasse ab: für breit gestreute Aktien-ETFs meist rund 40–60 %, für Anleihen oft höher, für einzelne oder schwankungsstarke Aktien niedriger. Nur der beleihbare Anteil steht als Rahmen zur Verfügung; wie viel das ist, zeigt der Lombardkredit-Rechner.

Was passiert bei fallenden Kursen?+

Sinkt der Depotwert, sinkt auch der Beleihungswert. Unterschreitet er den genutzten Kredit, kommt der Nachschuss (Margin Call): Du musst Geld nachschießen oder Sicherheiten erhöhen — sonst verkauft die Bank Wertpapiere, oft zum ungünstigsten Zeitpunkt. Je stärker du den Rahmen ausschöpfst, desto kleiner der Puffer.

Wann lohnt sich ein Lombardkredit?+

Wenn du kurzfristig Liquidität brauchst, investiert bleiben willst und einen großen Sicherheitspuffer hast. Der Lombardzins sollte deutlich unter deiner erwarteten Depotrendite liegen. Als Dauerfinanzierung oder zum Ausreizen des Rahmens ist er ungeeignet.

Unabhängig recherchiert. Manche Empfehlungen sind Partnerangebote (auch aus der MyWage-Gruppe) und werden gekennzeichnet. Inhalte dienen der Information und sind keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand 11. Juli 2026.